Speed-Weltrekord 2007: Mission erfüllt!

8 Welt- und 8 amerikanische Rekorde von
Markus Saegesser und Ruedi Steck

MARKUS SAEGESSER AUF CASTROL POWER 1 HOT-SHOT
(2000 bis 3000 cm³, mit Aufladung)
Unverkleidet: 242.801 km/h für den fliegenden Kilometer,
241.675 km/h für die fliegende Meile.
«Partly Streamlined»: 251.896 km/h für den fliegenden Kilometer,
251.875 km/h für die fliegende Meile.

RUEDI STECK AUF CASTROL POWER 1 FEULING
(2000 bis 3000 cm³, ohne Aufladung)
Unverkleidet: 241.534 km/h für den fliegenden Kilometer,
240.216 km/h für die fliegende Meile.
«Partly Streamlined»: 242.851 km/h für den fliegenden Kilometer,
242.736 km/h für die fliegende Meile.

Alle Rekorde sind ratifiziert!

Der Unterschied ist, dass sie es eben so gemacht haben.


256 km/h hatte Markus Saegesser bei seinem schnellsten Run drauf.

Textauszüge: Rolf Lüthi (MOTO SPORT SCHWEIZ) und Horst Rösler (motographer@t-online.de)


BILD: STEPHAN SCHACHER

Wie beim Ei des Kolumbus: Im Nachhinein werden etliche sagen, das hätten sie auch gekonnt. Doch wie sagte schon Kolumbus zur Runde seiner Neider: «Der Unterschied ist, meine Herren, dass Sie das vielleicht auch gekonnt hätten, ich es aber so gemacht habe!» Aktuell ist von Markus Saegesser und Ruedi Steck die Rede, die nach Bonneville zogen, um die Schweizer Fahne in heiligen Grund zu rammen. Die Story, wie zwei Schweizer Enthusiasten auf die Idee kamen, Speed-Weltrekorde zu fahren, wie sie für den Ölhersteller Castrol zu Werbeträgern wurden und wie sie nebenbei die Töff aufbauten und Kondition büffelten, erzählten wir in MOTO SPORT SCHWEIZ 18/07.

Tec Inspection


BILD: STEPHAN SCHACHER

Der Lockruf der Geschwindigkeit lockt auch Schweizer auf das Salz: Mit dem festen Ziel die Schweiz in die Rekordbücher für Geschwindigkeits-Weltrekorde einzuschreiben, startete das Team Swissperformance im 2007 seinen Angriff auf die FIM-Rekorde in mehreren Klassen. Ruedi Steck und Markus Saegesser meisterten auf Anhieb alle Hürden die einem Salzsee-Newcomer normalerweise bei der Rekordjagd bremsen – und überzeugten bei einem schwierigen Raceevent: Über 300 Teilnehmer starteten bei den BUB Speed Trials 2007 bei widrigen Wetterbedingungen und nicht immer perfektem Salz. Und selbst technische Probleme wurden vor Ort gemeistert – wie das in der Mitte von Nirgendwo geht? Das ist hier zu lesen...

Nicht lange rumgetrödelt

Was treibt zwei Eidgenossen auf der beschaulichen Schweiz dazu, nach Geschwindigkeits-Weltrekorden zu jagen? Zum einen ist die Möglichkeit von Motorsport in der Schweiz denkbar eingeschränkt: Wo die deutschen Nachbarn wenigstens am einigermassen Lastwagen-freien Sonntag mal den Gasgriff bis an den Anschlag drehen können, lauert auf Schweizer Strassen hinter jeder Ecke eine Radarfalle – und die sind teuer. Ein bisschen Moto Cross, ein bisschen Hillclimbing – und gelegentlich mal ein Dragster- oder Bergrennen – damit sind die schweizer Motorsportaktivitäten schon hinlänglich beschrieben. Ruedi Steck, dessen Spitzname nicht umsonst "Turbo Ruedi" ist, hat schon einen Stunt-Europameisterschaftslauf organisiert und brachte der schweizer Szene auch die Premiere des Films “The Worlds fastest Indian” – im deutschsprachigen Raum mit dem Titel "Mit Herz und Hand" verunglimpft.


BILD: STEPHAN SCHACHER

Dementsprechend "angefüttert" und motiviert machte sich Ruedi, seit mehreren Jahren der Organisator der “Swiss PERFORMANCE” Custombike-Messe in Zürich, und Markus Saegesser auf die Suche nach nützlichen Informationen: Wie man nach Utah kommt, welche Rekorde es gibt und was zu beachten ist, wenn man ein Rekordfahrzeug auf dem Salzsee an den Start bringen will. Dabei kam es natürlich sehr gelegen, dass mit den BUB Speed Trials im September seit 2004 nunmehr ein Event existiert, der sowohl nach AMA wie auch FIM Regeln fährt. Diese beiden Vereinigungen – American Motorcycle Association (AMA) und Federation Internationalé Motocyclisté (FIM) sanktionieren die Rekorde und erkennen sie an. Rekorde, wie sie zum Beispiel auch bei der Souther California Timing Association SCTA (www.scta-bni.org) beim grössten Hot Rod und Rekordevent im August und Oktober gefahren werden, werden nur in deren Büchern und Listen erwähnt.

Nicht ganz unglücklich war die Tatsache, das der Streckenmarschall "FIM-Charlie" Hennekam ebenfalls in der Schweiz residiert – und die Maschinen schon in der Schweiz einer "Technischen Abnahme" unterzog. Dass sich allerdings auch die "Offiziellen" in den umfangreichen Regelwerken des Land Speed Record Renngeschehens nicht hundertprozentig und bis in's letzte Komma auskennen, musste das Team auf dem Salzsee feststellen: Bei der offiziellen technischen Abnahme fehlte den technisch wie optisch exzellent aufgebauten Rennern aus der Schweiz ausgerechnet ein Detail, wie es an jedem Mofa und Fahrrad vorgeschrieben ist: Der Kettenschutz. Lange Gesichter, doch die Mechaniker hatten die Lage voll im Griff: Livio Kägi (der Konstrukteur des Renners von Markus) und Sven Traber, letzterer bekannt von "Sven Cycles" als einer DER Schweizer Custombike- und Motoren-Spezialisten, machten sich auf den Weg nach Wendover, wo vor allem in Ost-Wendover der Schrott des 2. Weltkriegs – inklusive einer Übungs-Atombombe – am Wegesrand vor sich hinrottet. Ein alter rostiger Gartenzaun wurde schnell in einen adequaten Kettenschutz "customized", was angesichts der Streckenverhältnisse keine Zeitverschwendung war.

Regenfälle in der Wüste von Utah sind keine Seltenheit – zumindest nicht im Winter. In 2007 plagten Unwetter im Juni, Juli und August den Staat – und auch während der BUB-Woche zeigte sich das Wetter nicht immer von der sonnigen Seite. Das BUB Team hatte in wochenlanger Arbeit eine 9,5 Meilen lange Rekordpiste auf das Salz gestampft, für die „Run What you Brung” Teilnehmer, die ohne AMA oder FIM Lizenz mal Rekordgeschwindigkeiten schnuppern durften, gab es eine zweite, immer noch 3 Meilen lange Strecke, die allerdings erst im Laufe des Events abtrocknete.

„Unsere ersten „Rookie” Testfahrten auf der 3-Meilen-Strecke kamen dem Fahren in nassem Neuschnee gleich”, berichtet Ruedi, „aber darin haben wir ja Übung...” Der Wheelspin war dennoch enorm und die Kraft der beiden Bikes war nur mühsam auf den Boden zu bringen. Am Montagnachmittag war es dann soweit: Die Rekordstrecke wartete. Welch ein Unterschied auf nur 800 Metern Entfernung und vielleicht wenigen Millimetern Höhendifferenz: Bretthart die Strecke, trocken Anlauf und Rekordmeile – nach langer Wartezeit rollen die beiden Schweizer Kracher auf die Piste und auf Anhieb: Weltrekord! Mit 247 km /h rast Saegesser durch die Lichtschranke, also zurück in's Parc Ferme für den notwendigen Rücklauf, der nach FIM Reglement binnen 2 Stunden gefahren werden muss. «Im Rerun fuhr ich auf sicher», berichtet Markus. Der Schnitt ergab 242 km/h, das war der Weltrekord für unverkleidete Motorräder mit 2000 bis 3000 cm³ und aufgeladenem Motor.


BILD: STEPHAN SCHACHER

Nur Minuten später kam Gesellschaft: Auch Ruedi klemmte sich hinter die Lenkerstummel und fuhr -ja! - Weltrekord. 241 km/h für unverkleidete Motorräder mit 2000 bis 3000 cm³ und Saugmotor. Das hatte es noch selten gegeben, dass „Greenhorns” aus Europa gleich im ersten Anlauf Weltrekord fahren. Das musste im Fahrerlager die Runde machen: Auch Denis Manning, Event-Organisator und Erbauer des schnellsten Streamliners der Welt, schaute bei den Schweizern vorbei, um zu gratulieren.


BILD: STEPHAN SCHACHER

Dass die Rekordjagd nicht immer ungefählich ist, zeigte den Schweizer Rekordjägern der 500 km/h Crash von Rocky Robinson, der auf der Jagd nach dem absoluten Geschwindigkeits-Rekord für Motorräder den Seitenwind unterschätzte. Seine Stromlinien-Zigarre überschlug sich mehrmals spektakulär, doch Rocky stieg unverletzt aus der stabilen Rohrkonstruktion, deren turbo-geladenes Doppelmotor-Fahrwerk nur noch Schrottwert hatte.

Es wäre noch mehr möglich

Die Kombination von FIM-Kilometer und AMA-Meile beim BUB-Event macht die Rekordjagd auf zwei Rädern so populär: Mit einem Streich können gleich zwei Rekorde eingefahren werden! Dass erkannte man auch beim SWISSPERFORMANCE Team und schraubte die vorbereiteten Halbschalen-Verkleidungen an die Fahrwerke, um nun auch in der Klasse „Teilverkleided” Rekorde zu knacken.


BILD: HORST RÖSLER

Dienstag war zunächst „Flaute” mit dem Rennen, denn der Wind war zu stark und mündete in Regen: Nicht die besten Bedingungen zur Rekordjagd. Mittwoch attackierten die Schweizer erneut: Markus knackte auch diesen Weltrekord mit 251 km/h im ersten Anlauf, aber er wollte noch schneller fahren und entschloss sich Zusatzgewicht am Heck anzubringen, um das Durchdrehen des Hinterrads zu vermindern. Doch die „Salt Bugs” schlugen einmal mehr zu: das Gewicht verdrehte sich, Markus konnte den vierten und fünften Gang nicht einlegen, der Versuch scheiterte.

Ruedi hatte mittlerweile schon gewohntes Wetterpech: Auf Rekordkurs, konnte er den Rücklauf nicht fahren, weil gegen Abend immer stärkerer Wind aufkam, die 2-Stunden-Frist wurde überschritten und der Lauf verfiel. Dafür hatte Allen McBee, ehemals Mechaniker bei Motorenguru Jim Feuling, auf unkonventionelle Weise neue Pferde im W-3 Motor aktiviert: Durch Abkleben der Luftfilter an bestimmten Stellen drehte der Motor jetzt bis in den Drehzahlbegrenzer und über 5.500 U/min – und erlaubte eine um 4 Zähne reduzierte Übersetzung. Pferdestärken durch Duct-Tape? Man muss nur wissen wie!


BILD: STEPHAN SCHACHER

Donnerstag, mit einem halben Tag Rennläufe bis „High Noon”, war die letzte Chance für Ruedi, mit dem halb verschalten Töff doch noch den Rekord zu knacken. Und er wusste sie zu nutzen: Der Dietliker liess sich nicht nervös machen und fuhr in zwei Läufen einen Schnitt von 243 km/ h - erneut Rekord!

Die Turbo-belüftete Castrol-Power „Hot Shot” von Markus hingegen wurde von Zündungsproblemen ausgebremst – hier zeigte sich die zunehmende Belastung der Bikes durch Salzverschmutzungen: Die nasse Oberfläche lässt den Salzbrei überall hinkriechen – in diesem Jahr ein Problem für alle Teams, nicht nur die mit „Hi-Tech”. Salzfrass lässt Kontaktflächen binnen kürzester Zeit korrodieren und es ist nicht schwer zu prophezeien, dass die beiden Schweizer Salt Flats Racer noch längere Zeit „Andenken” aus Bonneville an und in ihren Maschinen finden werden!

Fazit der Schweizer Rekordjagd: Ein Erfolg ohne Beispiel: Vorbehaltlich der Homologation dieser Rekorde in etwa einem Monat, sind jetzt acht Welt- und acht amerikanische Rekorde in Schweizer Hand! Das macht das Team SWISSPERFORMANCE zu den wahrscheinlich erfolgreichsten Schweizer Geschwindigkeits-Weltrekord-Jägern aller Zeiten. Und dies unter widrigen Bedingungen UND als absolute Salzsee-Anfänger. Kein Wunder, dass man beim verdient anschliessenden Urlaub in Las Vegas schon Pläne geschmiedet wurden: «Mein Töff hätte noch enormes Potenzial», sagt Markus Saegesser. «Am Anfang hatten wir zu lang übersetzt, der Motor drehte kaum 3.000/min. Als wir die Übersetzung angepasst hatten, konnte ich wegen des verdrehten Gewichts nicht mehr hochschalten, und nachher lief der Motor nur noch auf einem Zylinder.» Da geht noch mehr – ob die beiden Schweizer da nicht vom „Salz Fieber” befallen worden sind? Sie wären nicht die Ersten...


BILD: HORST RÖSLER

Speed-Weltrekorde: Die Regeln

Neben den berühmten, fast mystischen Benneville Salt Flats gibt es weitere Ort, wo Geschwindigkeitsrekorde gefahren werden. Fritz Egli/Urs Wenger fuhren ihren Rekord 1987 auf dem Hochgeschwindigkeitsoval von Nardo in Sizilien (272,41 km/h für 10 km mit stehendem Start).

In Bonneville können nur an den Speed Trials (reine Motorradveranstaltung) Motorrad-Weltrekorde angegriffen werden, weil nur dann Funktionäre des Weltverbandes FIM anwesend sind. An anderen Veranstaltungen fahren teilweise Autos und Motorräder gleichzeitig, und es geht um nationale Rekorde. Die präparierte Strecke ist 17 km lang, in deren Mitte stehen die Lichtschranken für einen Kilometer und eine Meile. Es wird also auf Rekorde mit fliegendem Start gefahren, bei jedem Run wird gleichzeitig der Kilometer- wie der Meilenrekord angegriffen. Für einen gültigen Rekord muss innerhalb von zwei Stunden in beide Richtungen gefahren werden, es zählt die Durchschnittsgeschwindigkeit. Um den Weltrekord zu schlagen, muss man um 1 % schneller fahren.

An den Speed Trials 2007 nahmen 352 Fahrer teil. Die Fahrer treten in einer Vielzahl von Kategorien, Klassen und Unterklassen an. Es gibt voll verschalte Streamliner, halb verkleidete und nackte Töff, Hubraumklassen von 50 bis 3000 cm³, Motoren mit und ohne Aufladung.

News:

Artikel Kieser Training / Reflex 45

September 2012, Interview mit Markus Saegesser für Kieser Training, Reflex 45

cash TV Dokumentation aus dem SF Archiv!

eine spannende Reportage über Markus Saegesser und sein 2011 Bonneville Abenteuer!

Artikel im Tages-Anzeiger, Zürcher Unterländer, Bülacher Tagblatt

Am 3. und 5. September 2011 erschien der folgende Artikel in der Tagespresse

Artikel im BLICK

Der folgende BLICK Artikel erschien am Freitag, 26.8.2011

Beitrag MOTO SPORT SCHWEIZ

Die folgende Doppelseite erschien am 25.8.2011 im MOTO SPORT SCHWEIZ

Artikel Moto Sport Schweiz 3.8.2011

Auf dem Flugplatz Buochs gings noch recht gemütlich zu und her, doch in wenigen Wochen wird es ernst für das Team Markus Saegesser / CCCP auf den Bonneville-Flats: Sie wollen den V2-Speed-Weltrekord!

Doppelseite im MOTO SPORT SCHWEIZ 10/11

Nackt zum Weltrekord: Wie Markus Saegesser ohne Verkleidung über 300 km/h fahren will. Artikel von Daniel Riesen, 12.5.2011

Castrol Inserate mit Markus Saegesser

Diese Werbeinserate wurden von Castrol weltweit publiziert

Events:

Packende Vorträge

Kontaktieren Sie uns: Für Ihren nächsten Kunden- Mitarbeiter oder Jubiläumsevent kreieren wir massgeschneiderte Vorträge und Markus Saegesser präsentiert die spannende Geschichte rund um das Abenteuer Bonneville!

DOK Film «Der Traum vom Weltrekord» 3sat, 21. August 2011

Nach SF1 und ZDF, zeigt auch 3sat nochmals die spannende Dokumentation des Bonneville Weltrekord Abenteuers von 2007!

Podium mit Gary Hannam und Markus

Gary ist der Produzent des Hollywoodfilms " The World's Fastest Indian" mit Anthony Hopkins

Markus wurde von der Stadt Kloten geehrt!

Am 30.1.2009 fanden die Sportlerehrungen der Stadt Kloten in der Kolping Arena statt.

Markus war Talkgast bei 'Aeschbacher' auf SF1!

am 29.1.2009 war Markus Talkgast bei Kurt Aeschbachers Late Night Talksendung 'Aeschbacher' auf SF1!

4 Welt- und 4 amerikanische Rekorde!

Aufgestellt anlässlich der International Speedtrials auf den Bonneville Salt Flats, in Utah, USA durch Markus Saegesser. 20.10.07: die amerikanischen Rekorde sind offiziell! 26.10.07: die Weltrekorde sind offiziell!